Dienstag, 31. Dezember 2013

11. Tag: Faultier und Drake Bay

Um halb sieben Uhr wecken uns die Sonnenstrahlen in den Zelten. Im offenen Frühstücksraum mit Blick auf  den Fluss im Urwald stärken wir uns mit Obst, Pfannkuchen, Ei und Kaffee. Dann geht es auf eine kurze Wanderung: Erst überqueren wir eine Brücke über den Fluss, dann stapfen wir in den Urwald. In den Wipfeln erblicke ich etwas Dunkles. Mit der Kamera zoome ich es heran. "Ein Faultier!" rufe ich die Anderen zurück. Das Tier betrachtet uns ebenfalls, dann scheibt es sich langsam in dichteres Laub.
Im Schatten des Waldes folgen wir dem Pfad hinauf zu einer Lichtung, von der sich uns der Anblick über ein grünes Tal bietet, Neben uns schimpfen Vögel in einem riesigen Baum. Nach einer kurzen Rast kehren wir zurück, finden unser Faultier noch einmal im Geäst und biegen nach ein paar hundert Metern auf der Piste wieder in den Wald ein. Neben unserem Ziel, einem zehn Meter hohen Wasserfall, flattert ein Morpheo-Falter durch die Baumschatten.
Nachdem wir uns bei Kees verabschiedet haben, geht es nach Sierpe, wo uns bei einem Restaurante das Boot abholt. Über den Rio Sierpe und durch Mangoven-Wälder geht es in die Drake Bay. Am Strand erwartet uns bereits Martina mit einem Fahrer, der uns hoch in den Ort zu Martinas Herberge fährt. Nachdem wir uns von ihr die Optionen für die nächsten Tage erklärt lassen haben, halten wir beim Mittagessen Familenrat. Heute möchte Luis zum Strand, für Morgen bestimme ich Reiten.
Am Strand gibt es gar kein Krokodil, wie Martina uns versprochen hatte: "Es ist noch ganz klein, bloß ein Meter Fünfzig lang. Wenn es euch sieht, läuft es entweder davon oder bleibt liegen."
Also machen wir einen Spaziegang ohne Reptil. Wir lassen uns den Pazifik um die Füße spülen, knacken eine Kokosnuss und schauen zu, wie die Schatten länger werden. In einer Hütte am Strand, an der ein Bayer-Schild baumelt, kaufen wir uns Getränke, dann versuchen wir um fünf Uhr daheim irgend jemandem ein frohes neues Jahr zu wünschen. Vergebens. Und so machen wir uns nach dem Abendessen im Dunkeln zum Strand auf und schauen zu, wie die Herbergen der Umgebung ihre Feuerwerke abschießen.

Montag, 30. Dezember 2013

10. Tag: Fähre und Urwaldbad

Es geht wieder einmal früh aus den Betten: Wenn wir die Fähre um neun Uhr erreichen wollen, müssen wir zwischen sechs und sieben am Kai in Paquero sein. Wir verabschieden uns von Brigitte und Leon und machen uns auf den Weg. Die aufgehende Sonne zieht lange Schatten über die Straßen und wir erreichen die Fährstation als fünfte in der Reihe. Während die Fähre noch entladen wird, kaufe ich Kaffee und Törtchen. Jedes Fahrzeug wird zur Rampe geleitet und der Fahrer erhält einen Schein, den man beim Kauf der Fahrscheine wieder abgibt. Ich mache ein paar Bilder von der Fähre, dann warten wir auf die Beladung.
Wir stellen fest, wir hätten uns ruhig etwas Zeit lassen können. Als um neun Uhr wird das Tor zur Auffahrt geschlossen wird, gibt es in der Fähre immer  noch Platz. Kurz vor dem Ablegen springt ein Rochen aus dem Meer, dann lassen wir die Halbinsel hinter uns.
"Lleva, lleva! En la pincha!" Die Kinder und ich warten neben einem Straßengrill darauf, dass Britta von Bord kommt. "Que rica la la carne! Mil colones!"
"Papa," fragt Carl, "Darf ich so einen Spieß?"
"Auf keinen Fall!"
Als eine der Letzten kommt Britta endlich von Bord und wir reihen uns in den Stau ein, der aus Puntarenas führt. Nur im Schritttempo geht es voran. Es müssen wirklich sehr viele Leute zwischen den Feiertagen unterwegs sein, Brigitte hatte uns ja gewarnt. Dann erkennen wir an einer Kurve, dass die Spitze des Staus von einigen wenigen Fahrzeugen mit leuchtenden Warnblinkern gebilldet wird. Endlich wird die Fahrbahn zweispurig und wir erkennen beim Überholen das Hindernis: Ein Leichenwagen mit dazugehörigen Trauerzug erachtet eine würdige Geschwindigkeit für wichtiger als den schnöden Wunsch aller übrigen Autofahrer, an ihre Ziele zu kommen.
Geneüber ein paar Buden am Rio Tarcoles machen wir eine kurze Pause. Ich passe auf das Auto auf während Britta und die Kinder die Hauptattraktion bewundern gehen. Nach einer Viertelstunde sind sie zurück: "28 Krokodile haben wir gezählt, im Fluss unter der Brücke und am Land. Die meisten lagen nur herum und ignorierten die jungen Reiher zwischen ihnen."
Und weiter geht es auf der Ruta 34 gen Südosten. Wir essen sehr gut an der Landstraße hinter Parrita in der "Chicharronera Chepe", ein glücklicher Zufallfund. Brittas Chifrijo erinnert an Feijoada!
Die übrigen Stunden bis zu "Rio Tico" - unserer Unterkunft für die Nacht - wird durch "Ausgefressen" verkürzt: einem Hörspiel über ein Erdmännchen, das für einen Detektiv einen Kriminalfall im Zoo löst.
Auch Rio Tico entpuppt sich wieder als kleines Paradies. Unser Wirt Kees zeigt uns unsrere beiden Zelte, die jedes ihr eigenes Bad und Terasse mit Blick auf den Fluss bieten. Dorthin steigen wir herab, nachdem wir unsere Badesachen angezogen und uns Handtücher geschnappt haben. Der Fluss fällt hier in Kaskaden über mehrere Becken und die Kinder springen mutig zwei Meter von den Felsen in kühle Wasser. Beim Wiederaufstieg genießen wir den Duft den Blüten "Wie Kaugummi!" Abemerkt Britta treffsicher. Frisch geduscht essen wir zu einem von Kees empfohlenen Restaurant zu Abend.

9. Tag: Faulenzen

Britta ist heute als erste wach: Sie möchte sich von Leon die Farm zeigen lassen - vom Pferderücken aus. Während dessen schreiben die Jungs und ich Postkarten, pflegen den Blog und bereiten die zweite Tageshälfte vor.
Auf dem Weg nach Santa Teresa und dessen Strand hören wir die Geschichte des Panama-Kanals von einer der CDs, die die Kinder zu Weihnachten bekommen haben. Ob uns morgen ein ähnlicher Dschungel erwartet?
Wir biegen wie im Reiseführer beschrieben in die Straße zu einer "Casa Zen" ein und machen uns mit Strandtasche, Sonnencreme und Lesefutter auf die Suche nach einem schattigen Plätzchen unter den Palmen. Hier brandet der Pazifik etwas stärker auf den Strand, was Luis und Carl umso mehr Spaß bereitet. Mittag essen wir im Schatten der Palmen eines Strandlokals, zur Musik einer dreiköpfigen Latino-Gruppe zu der das Rauschen des Meeres die Begleitung gibt. Noch einmal werden die Kinder kräftig mit Sonnencreme eingerieben, dann dürfen sie noch einmal ins Meer. Zum Sonnenuntergang suchen wir uns einen anderen Abschnitt,  nehmen auf einem großen Stück Treibholz platz und sehen dem Naturschaulspiel zu.
Außerdem werden wir Zeuge, wie zwei Polizisten eine Gruppe Jugendlicher kontrolliert, kurz unter deren Strandtuch gräbt und anschließend Personalien feststellt, wozu sie sich durch den Inhalt der gefundenen Dose veranlasst sehen.
Zurück in Tambor lassen wir uns zwei Pizzen einpacken und machen uns fertig für eine frühe Abreise am nächsten Tag.

Samstag, 28. Dezember 2013

8. Tag: Naturzoo und Meer

"Da ist was!" ruft Britta. Soeben sind wir unter dem improvisierten Schlagbaum am Eingang des Curu-Parks hindurch und in den Wald aus Bäumen und Palmen gefahren. Vor uns hat ein Tier den staubigen Weg überquert. Als wir langsam näher heran fahren, erkennen wir einen Nasenbären, der offenbar eine Frucht am Boden gefunden hat. Ohne Scheu lässt sich das Tier bewundern, was wir auch ausführlich machen. In Curu möchten wir uns auf einen Schnorchel- und Strandausflug zu den Islas Tortugas mitnehmen lassen. Auf dem Weg zum Schuppen, der hier das Anmeldebüro ist, wartet die nächste Sensation auf uns: Kapuzineraffen turnen in den Ästen über uns. Ab und zu klettert einer zu einem Gebäude herab und schnappt sich eine Banane aus dem Fenstergitter. Während der Anmeldung latscht ein grauer Leguan gelangweilt an Carl vorbei und kurz vor unserer Abfahrt besucht ein Reh das Camp.
Mit uns im offenen Motorboot fahren einheimische Ticos und ein Amerikaner. Dieser erzählt uns, er habe Glück mit Aktien gehabt und gönne sich Reisen in die Sonne und ans Meer.
Die Kinder schnorcheln, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Es gibt viele bunte Fisch zu sehen, man kann den Schwärmen kaum ausweichen. Am Strand einer der Inseln gibt es frische Kokosnuss, Ananas und Melone, dann begeben sich die Kinder an den Bau einer schönen großen Sandburg. Ein Fischer rudert ein schmales Boot an den Strand und bietet frische Austern und Jakobsmuscheln mit Limette und Zwiebeln an. Lecker!
Zurück in Curu spielen die Kinder noch ein wenig am Strand, wir finden Einsiedlerkrebse und machen uns bald auf den Weg. In Paquera gönnen wir uns eine Runde frischen Saft, im Fernsehen im Café läuft Volksbelustigung aus einer Stierkampfarena; am Flugfeld von Tambor sehen wir endlich auch Aras. Den Abend lassen wir mit Ceviche, Fisch und Pommes im El Timonel in Panica ausklingen und schauen dabei den Brüllaffen in den Bäumen zu.

7. Tag: Wasserfall und Schildkröten

Nach einem reichhaltigen Frühstück bei Brigitte und Leon fahren wir an die Pier von Tambor. Hier hoffen wir, die Fischauktion zu erleben, doch wir kommen offenbar zu spät. Die Boote liegen fest gemacht, nur einige wenige Einheimische sind mit dem Filetieren von Fischen beschäftigt: Ritsch - die Kiemen ab; ratsch - die Bauchdecke auf; platsch - alles ins Wasser, worauf Pelikane und andere Fische sich darauf stürzen. Letztere werden von zwei Ticos mit Handangeln gefischt. Von Waidgerechtigkeit hat man hier noch nie gehört, die gefangenen Tiere zappeln auf der Pier  bis sie eben nicht mehr zapplen. Wir verlassen diesen Ort und fahren weiter nach Montezuma.
Hier lassen wir unseren Wagen auf einem bewachten, schattigen Parkplatz und machen uns auf den Weg, das Flüsschen aufwärts über Felsen im Wasser. Es gibt viele Wanderer wie uns, Einheimische wie Touristen, die springend, kletternd und watend den Wasserfall aufsuchen. Vor diesem und in seinem Becken herrscht reger Betrieb: Ein kleines Völkchen schwimmt, macht Picknick oder springt von den Felsen. Einige klettern bis zu zehn Meter die Felswand hoch und springen in das tiefe Wasser. Am Ufer  haben Händler Tische aufgebaut, auf denen sie einfachen Schmuck anbieten. Ausser Britta hat niemand von uns Lust zu schwimmen und so machen wir uns schon bald wieder auf den Rückweg.
In Montezuma hatte Brigitte uns das Restaurante Montezuma empfohlen. Mit Blick auf die Palmen und den Strand unter blauem Himmel genießen wir Sandwich, Hamburger und Ceviche und denken dabei an die daheim gebliebenen. Bis zum Nachmittag baden wir im Pazifik, die Kinder lassen sich nur ungern aus dem Wasser holen.
Am Ende des Strandes besuchen wir ein Schildkröten-Projekt. Freiwillige haben die Eier in einen abgezäunten Abschnitt im Schatten der Palmen transportiert und in neue Sandlöcher eingegraben. Sobald die Jungtiere schlüpfen, werden Sie ein Dutzend Schritte vor die Brandung getragen werden und müssen den Rest des Weges ins Meer selber bewältigen. Die Kinder erbetteln sich noch eine halbe Stunde in den Wellen, dann fahren wir zurück nach Tambor. Mit wirklich guter Pizza am Strand endet ein weiterer Wintertag in Costa Rica.

Freitag, 27. Dezember 2013

6. Tag: Reitausflug und Steakhaus

Unser Frühstück bei Gerard und Ingrid beginnt einmal mehr mit Tico-Dreikampf: So hat Britta den Obstteller mit Banane, Melone und Ananas getauft. Wir werden herzlich verabschiedet, fahren aber nur wenige Kilometer zu einer Anlage, wo wir einen Reitausflug machen wollen. Tatsächlich soll auch gleich eine Tour los gehen und wir finden unseren Führer, die Pferde und den anderen Reitgast - hinter einer wackeligen Hängebrücke über einer 30 Meter tiefen Schlucht.
Rasch sind die Mützen gegen Helme getauscht, die Tiere aufgesattelt und die Reiter aufgesessen. Der Weg führt über Wiesen und unter Bäumen durch eine trockene Landschaft. Die letzten Wolken des Morgens lösen sich zu Federn auf, wir traben bei einem lauen Wind an Kühen und Leguanen vorbei. Den Kinder ist es auf den hohen Tieren zunächst ein wenig unheimlich - zuletzt saßen sie vor vier Jahren im Sattel - doch schon bald haben sie sich daran gewöhnt, halten das Gleichgewicht und können dem Pferd ihre Wünsche mitteilen. Manchmal gehorcht es sogar. Am Schluss führt Carl uns grinsend zurück zum Sattelplatz. Auf dem Rückweg über die Brücke erinnert sich Luis daran, dass sein Vater sich darauf nicht wohl fühlte und läuft betont wackelig.
Jetzt rasch Wasser und Geld holen und wieder sind wir auf der Straße. Kurz hinter Cañas gehen wir bei "Las Tres Hermanas" Mittag essen. Britta und den Kindern gefallen die großen Fleischportionen und die gute Organisation,  ich dagegen finde die Lage an der Kreuzung zweier Landstraßen mit einer Tankstelle gegenüber ungemütlich. Doch immerhin sind wir alle satt und es ging schnell. Noch schnell ein Foto vor der Stierskulptur am Eingang, dann geht es weiter.
Endlich erreichen wir den Pazifik: Von der "Brücke der Freundschaft"  blicken wir hinab auf den Golf von Nicoya. Die bergige, grüne Halbinsel erstreckt sich nach Südwesten und man sieht in der Ferne einige Inseln. Wir halten uns an die nordöstliche Route, wie Gerard uns angekündigt hatte sind die Straßen hier asphaltiert. Rinderweiden lösen sich mit Gemüsefeldern ab und wir kommen durch kleine aber geschäftige Ortschaften. Schließlich endet der Asphalt und ausgerechnet auf staubigem Schotter hängen wir hinter einem Lastwagen. Am Fischerort Tambor biegen wir in die Hügel ab und gelangen endlich zur Fidelito Ranch, wo wir die nächsten drei Tage verbringen werden. Begrüßt werden wir von Brigitte und Leon, unseren Wirten und ihrern beiden Hunden, Fidodido und Ruby. Abends hören wir Leons Geschichten zu - er war Reiseleiter in Finnland, Marokko, Mali, Gambia und den USA - während Brigitte für uns Spaghetti Bolognese kocht.

Mittwoch, 25. Dezember 2013

5. Tag: Nasenbär und Waldtherme

Heute kommen wir wieder erst etwas später aus den Federn und sind sogar die letzten beim Frühstück. Dieses dauert umso länger, da Luis sich von seinem Buch nicht trennen mag: Er bekam zu Heiligabend u.a. "Würfelwelt", eine Geschichte, die im Computerspiel "Minecraft" spielt. Dabei wollten wir doch früh los, um bei unserer Wanderung zum Rincón de la Vieja vielleicht wieder ein paar Tiere zu sehen. Hinter der Schranke - Die Straße zum Nationalpark führt über Privatbesitz - sehe ich am Straßenrand eine Bewegung. "Nasenbär!" Rufe ich. Britta steigt in die Eisen und wir können noch ein paar Blicke von dem Tier erhaschen, bevor es in einen tiefen Graben neben der Straße verschwindet.
Der Wald in dieser Gegend ist eher trocken und nicht ganz so dicht. Wir beginnen unsere Wanderung über eine Hängebrücke und durch eine Ebene, an mehreren Quellen heißen Schlamms vorbei. Die Wege zu jedem dieser Löcher sind ausgeschildert, doch das ist eigentlich unnötig: Man riecht sie schon von weitem. Der Wanderweg ist gut besucht und unsere Hoffnung auf weitere Tiere schwindet. Dann geht es ein Stück in den Wald am Vulkan, der Weg ist nun schattiger und kühler. Hier und da kündigen Schilder und warme Schwaden vulkanische Dampfquellen an. Nach zweieinhalb Stunden sind wir wieder am Beginn des Weges und melden uns beim Parkwächter ab.
Unsere nächste Station sind die "Rio Negro Hot Springs", eine Therme am Fluss, mitten im Wald. Auf der Fahrt dorthin beschließen wir, statt Mittagessen Kekse und Chips mitzunehmen. Wir ziehen uns hinter dem Eingang um und marschieren einen Kiesweg entlang unter den Bäumen zu einer Hängebrücke, unter deren anderem Ende drei Pools auf uns warten. Das Vulkanische Wasser ist angenehm heiß und wir lassen uns nach eienm kurzen Keks-Imbiss dort gerne nieder - bis auf Luis, der seine Nase nicht aus seinem Buch heraus bekommt. Schliesslich schenkt jedoch auch er uns seine Gesellschaft. Wir probieren noch zwei Becken auf der anderen Seite der Brücke, dann machen wir uns wieder auf den Weg. Bei der hübschen Rincón de la Vieja Lodge gibt es frisch gequirlten Ananassaft mit Blick auf einen Teich und grasenden Pferden. Endlich kehren wir wieder zurück zum "Sol Verde", vorbei an Pferden, die über die Straße zu ihren Kopplen getrieben werden.
Im Sol Verde werden wir für den Mangel an Wildtieren entschädigt: Ich schreibe gerade diesen Eintrag, Luis beendet das Buch und Carl liegt in der Hängematte, als uns ein armlanger schwarzer Leguan besucht. Wie selbstverständlich marschiert das Tier unter dem Zaun hindurch, an Carl vorbei und klettert den nächsten Baum hoch. Der Abend endet mit Surinamesischen Hühnchencurry, von unseren Wirten würzig-scharf zubereitet.

Dienstag, 24. Dezember 2013

4. Tag: Fluss-Safari und Heiligabend

Diese Nacht lehr uns, warum es "Regenwald" heisst: Laut prasselt es aufs Dach, so dass wir nicht leicht in den Schlaf finden. Wir erwachen zu einem Sonnenlosen, nebeligen Morgen und machen uns schon bald wieder auf den Weg. Unsere erste Station für den Tag soll Caña sein, ein Ort, die wie der Name nahelegt vom Zuckerrohr lebt. Doch nicht dieser ist unser Ziel, sondern eine Ausflugsstaion am Rio Tenorio. Hier besteigen wir mit unserem Führer Fabian ein großes Gummiboot und lassen uns den Fluss herunter treiben.
Als erstes erspähen wir einen Blaureiher, der uns erst von einem trockenen Ast beäugt und sich emporhebt, als wir ihm zu nahe
kommen. Einige hundert Meter weiter sonnen sich Leguane in den Ästen und Fabian zeigt uns eine kleine Eidechse:
"Dies ist ein Basilisk, aber hier nennt man ihn Jesus-Christus-Eidechse."
Den Grund dafür erfahren wir bei einem späteren Exemplar, das auf einem Toten Baum in einem ruhigen Abschniit des Flusses sitzt. Bei unserem Anblick läuft es davon - auf dem Wasser.
Schließlich lenkt Fabian unseren Blick in die Wipfel: In der Krone eines besonders großen Baumes hockt und klettert ein knappes Dutzend Affen. Eine andere Horde Kapuzineraffen ein paar hundert Meter weiter hat einen Leguan im Geäst entdeckt. "Kapuzineraffen sind die Haupt-Fressfeinde der Leguane," erklärt uns Fabian. "Habt ihr in Costa Rica schon einmal Hühnchen gegessen?" Natürlich haben wir das. "Vielleicht war es gar kein Hühnchen."
In einem breiten, ruhigeren Abschnitt des Flusses liegt ein Boot an einem flachen Uferabschnitt, eine andere Gruppe macht dort ihre Imbisspause. Dabei wir sie von einem Trockenen Baumstamm vom Ufer gegenüber beobachtet. "Ein Krokodil," erklärt uns Fabian.
Schliesslich erreichen wir das Ende des Ausflugs. Luis findet noch eine dicke Raupe, während wir auf den Wagen für die Rückfahrt warten. Zwar haben wir alle einen leichten Sonnenbrand, doch wir denken an unsere Freunde und Verwandten, die jetzt im grauen und kalten Deutschland frieren und schon ist es nicht mehr schlimm.
Der rechte Hinterreifen hat Luft verloren, so können wir nicht mehr weiter fahren. Wenige Kilometer weiter haben wir einen Reifenservice gesehen und der Mechaniker dort macht sich auch sogleich zwischen alten Rädern, einem Karrosserielosen Fahrgestell und allerlei anderen Autoteilen ans Werk, während sein Kollege ein Schwltgetriebe zusammnebaut. Nqch nur 15 Minuten und 1500 Colones sind wir wieder auf dem Weg, nächste Station: Liberia, wo wir Mitag essen und die Verwandtschaft anrufen wollen. Am liebsten würden wir über Skype per Video telefonieren - doch die Copa de Oro bietet entgegen der Beschreibung im Reiseführer kein Netzzugang. Also per Handy Glückwünsche verteilt und im Anschluss an eine vergebliche Suche nach einer anderen Bar geht es wieder auf die Straße, nun zu El Sol Verde, unserer Unterkunft für die nächsten zwei Nächte.
Die Jungs freundenn sich mit Keiki, dem Hund der Wirte an während wir die Bescherung vorbereiten. Das Christkind findet tatsächlich auch nach Curumande, am meisten freuen sich die Jungs über die Bücher. Sie sind während des Abendessens in einem nahe gelegenen Soda nur schwer von der Lektüre abzubringen. Und endlich finden wir später auch ins Netz.

3. Tag: Dschungelwanderung zum blquen Fluss

Morgens steigen wir den regennassen Geröllpfad von unserer Cabina zum Küchengebäude hinauf, während die dunkelgrünen Hügel ringsum noch im Nebel stehen. Unsere Gastgeber meinen es wieder sehr gut mit uns, doch wir können den gebutterten Zwieback, die Eier, gebratenen Kochbananen und Reis mit Bohnen nicht aufessen. Heute soll es in den Nationalpark Tenorio gehen und wir wollen zum Oberlauf des Rio Tenorio wandern. Dort soll man auch baden dürfen. Mit etwas Glück und wenn wir nicht zu laut sind, können wir vielleicht wieder ein paar Tiere sehen.
Mit Rucksäcken voller Wasser,  Badesachen und Fotoapparaten stehen wir an der Anmeldung. Hier ist allerlei Getier in Alkohol konserviert: Die Schlangen seien alle giftig, erklärt uns der Parkwächter. Solche wollen wir natürlich lieber nicht sehen.
Zunächst ist der Pfad noch betoniert. Wir wandern gemächlich voran und die Kinder verhalten sich vorbildlich still. Wir sehen Schmetterlinge und ich meine, wir hätten in den Wipfeln über uns ein Tier aufgescheucht. Als erstes erreichen wir einen Wasserfall und steigen eine Treppe hinab zu dem Becken, in dessen hellblaues Wasser er stürzt. Der immer schlechtere, matschige Weg führt uns dann zu einer Aussichtsbühne. Im richtigen Augenblick reisst die tiefe Wolkendecke auf und gibt den Blick auf den Vulkankegel unter blauem Himmel frei. Dann ziehen wir weiter zu einem Gumpen und Zug des hellblauen Wassers. Einige Schritte weiter blubbert eine Gasquelle aus dem Fluss. Über zwei Hängebrücken erreichen wir einen Zusammenfluss, hinter der erst das Wasser seine Hellblaue Farbe annimmt. Offenbar handelt es sich um ein schwer lösliches Metallsalz. Ich tippe auf Kupfercarbonat.
Wir kehren um. Man merkt Carl und Luis inzwischen die lange Wanderung an. Sie maulen laut und somit schwindet jegliche Hoffnung, noch irgendwelche Tiere sehen zu können. Wir spülen am Eingang zum Weg den Schlamm von den Schuhen und bestellen im Lokal gegenüber Plato Casero. Den Kindern schmeckt "Fresca", die hiesige Grapefruit-Limonade, Britta und ich teilen uns ein Bier.
Zurück in unserer Cabina machen wir eine Pause, dann gehen die Jungs und ich noch einmal in den Fluss und spritzen uns mit dem kalten Wasser gegenseitig so richtig nass. Britta begleitet uns und hält die Wasserschlacht  für die Nachwelt fest. Die Zeit bis zum Abendessen überbrücken wir Kartenspielen.

2. Tag: Affentheater und Leguane

Um zwanzig vor sechs ist die Sonne noch nicht ganz aufgegangen aber wir sind in unserem Baumhaus schon alle aufgewacht. Als auf der Etage unter mir Britta von beiden Jungs geweckt wird, bemerke ich in den Bäumen hinter uns eine Bewegung: Irgendetwas lässt die Äste heftig schütteln. Aber was?
"Affen!" rufe ich laut.
"Wo?" Kommt sofort von unten die Frage.
"Hinterm Baumhaus in den Ästen!"
Wir eilen zum Beobachtungsbalkon und schauen einer Horde Kapuzineraffen zu, die ihren Weg durch das Geäst nimmt.
Inzwischen ist es hell geworden und wir gehen in Badehosen zu den Thermalbecken. Im warmen Wasser  sitzen sehen wir unsere Horde wieder, die diesmal in größerer Entfernung ihren Weg fortsetzt. Erfrischt kehrrn wir zurück und als wir auf  dem Balkon die Aussicht und einen Kaffee genießen, liefert die Köchin auch schon das Frühstück. Dann trudeln quch schon bald die Tagesgäste ein und wir suchen Kathleen auf, um uns zu verabschieden.
Auf dem Weg zu den "Cabinas Piuri" am Rio Celeste, unterhalb des Tenorio-Vulkans, machen wir in Muelle de San Carlos im "Centro Turistico Iguana" halt. Sensation des Lokals sind die Dutzenden Leguane, die sich in dessen Umgebung herum treiben und bereitwillig ablichten lassen.
Kurz vor Upala müssen wir die asphaltierte Straße verlassen und holpern über Felsen und an Schlaglöchern vorbei zu unserem Ziel. Der Wirt begrüßt uns, doch wir kriegen nicht wie erwartet das "Ei", denn dieses habe nur Platz für zwei Personen. Unsere Ersatzunterkunft ist geräumig aber spartanisch. Rasch ziehen wir unsere Badesachen an und gehen ein paar Schritte zum Rio Celeste hinab. Dessen Wasser ist kalt und hellblau (Eisensulfat?), doch Britta wirft sich furchtlos in einen Gumpen. Da können wir Männer natürlich nicht kneifen. Das Wasser ist wirklich sehr, sehr kalt. Dafür ist die Familien-große Dusche schön warm.
Das Abendessen schaffen wir nicht, aufzuessen, es ist einfach zu viel. Um acht Uhr kehren wir zurück, bitten einen Frosch aus unserem Zimmer und liegen bald totmüde in den Betten.

Samstag, 21. Dezember 2013

1. Tag: Latino-Frühstück und Dschungelstraße

Der Tag beginnt schon mal nicht schlecht: Papaya, Banane, Ananas; Rührei mit Schinken, dazu Reis mit Bohnen; Kaffee in großen Bechern: Ein schönes Latino-Frühstück. Luis und Carl hängen noch zu weit im Jet-Lag ihrer Essenszeit hinterher, um das alles schätzen zu können, aber in zwei Tagen gibt sich auch das.
Danach geht es zur Plaza auf die Suche nach einer Bank. Britta kann schnell mit Ihrer Kreditkarte ein paar Colones tauschen, doch ich scheitere mit meiner Maestro-Karte immer wieder. Auch in die Kathedralw sind Britta und dir Kinder nicht gegangen:
"Die sind da drin ganz heftig am Beten!" kommentiert Britta.
Dafür finden wir auf der Plaza die erste Sensation des Tages: Auf einem Baum und herab bis zu den Spaziergängern klettert mindestens ein Dutzend Eichhörnchen.
"Och, wie süüüß!" quietschen Britta und die Kinder. Wir verbringen noch eine entspannte halbe Stunde in einer Jugo-Bar, auf dem Weg dahin mokieren sich Britta und die Kinder sich über ein paar Tico-Damen, die sich "ay que mas liiindo!" über irgendetwas entzücken. "So etwas albernes!"

0. Tag: TV und Terminals

Der Wecker klingelte um Viertel vor fünf. Geduscht, einen Kaffee gekippt und ab ging es auf die nächtliche Autobahn. Am Flughafen angekommen suchten wir unseren Schalter, als die Kinder und ich von einem RTL-Kamerateam angesprochen wurden: Kurze Einleitung, die Weihnachten, Ruhe und dagegen Reisen am Flughafen ansprach und dann die Frage, wo wir hinfliegen woltten. Costa Rica? Warum ausgerechnet Costa Rica?
"Wir haben uns lqnge vorbereitet und woltten den Kindern mal etwas besonders bieten",erklärte ich.
"Stimmt gar nicht!" korrigierte mein loyaler Nachwuchs mich soffort vor laufender Kamera, "So was haben wir schon ganz oft gemacht!"
"Was, wir waren schon einmal in San Jose?" vervollständigt e ich das harmoniwche Bild unserer Familie.
Der Reporter spürte wohl, dass ihm das Interview aus den Händen glitt und versuchte das Thema mit einer kindgerechten Frage zu wechseln:
"Jungs, wie kommt der Weihnachtsmann nach Costa Rica: Mit dem Schlitten oder mit dem Flieger?"
Nach einer peinlichen Pause kam endlich ein "mit dem Flieger", während die Blicke amüsiert fragten, was dies denn für ein Blödmann war.

Die weitere Reise verlief mit dem üblichen Wechsel aus Stress und Langeweile, den das Wechseln zwischen drei Fliegern mit sich bringt - zumal in den USA mit seiner Immigration und dem Zoll. In Miami erreichten wir die unsere Maschine nach San Jose mit Ach und Krach. Dort angekommen, hatten wir schon 24 Stunden Reise hinter uns. Luis und ich hatten etwas geschlafen aber trotzdem hingen die Kinder in den Eeilen. Vor der Passkontrolle schlichen wir in einer riesigen Schlange, dann das Warten vor dem Kofferkarrusell. Und Warten. Und Warten. Das Gepäck würde erst morgen kommen, liess uns die Mitarbeiterin der Fluggesellschaft wissen.

So fuhren wir mit dem Taxi durch das nächtliche, um diese Zeit wie ausgestorbene Arajuela. Quadratische Plazas und abenteuerlich geführte Stromleitungen bestätigten uns: Wir sind wieder in Lateinamerika.

Donnerstag, 19. Dezember 2013

Vorabend der Abreise

Die Koffer sind gepackt, das Handgepäck auch; Reisedokumente liegen bereit und die Klamotten für morgen auch. Gottseidank kümmern sich Luis und Carl um die wirklich wichtigen Sachen: Daddelfutter.