Diesmal hatten wir den Wecker auf Viertel nach fünf Uhr gestellt - Das mussten wir auch, denn der heutige Ausflug wird geführt und beginnt bereit um sechs Uhr. Mit zwei weiteren Paaren treffen wir unseren Führer gleich neben der Herberge. Gemeinsam gehen wir herab zum Strand, wo wir auf unser Boot zur Mündung des Rio La Sirena warten. Das ganze Dorf würde sehr von einem Bootssteg profitieren, das Landen mit dem Heck voraus sieht sehr riskant aus. Einmal wird eines der Boote von einer Welle quer erfasst und dreht mit der Seite zum Strand. Nur mühsam können Skipper und Bootsmann das Fahrzeug wieder ausrichten. Doch die Regierung erhält von der UN viel Geld dafür, die Natur "unberührt" zu lassen und dazu gehört auch ein Verbot jeglicher neuer Bauwerke an den Stränden.
Schließlich trifft auch unser Boot ein, wir klettern durch die Wellen an Bord und die einstündige Fahrt beginnt. Es liegt noch morgendlicher Dunst über der dicht bewachsenen Küste, den die Sonne langsam auflöst. Luis und ich nutzen die Gelegenheit und zeigen Britta und Carl die Stationen unserer gestrigen Wanderung.
Endlich kommen wir an und unser Führer beginnt die Wanderung; erst eine kurze Strecke am Strand, dann in den Wald. Schon bald treffen wir auf eine andere Gruppe, die ihre Köpfe ins Genick drückt und nach oben starrt: In der Krone eines Baumes sitzt ein Faultier mit seinem Jungen. Pffft! In Faultieren sind wir seit Rio Tico schon Experten. Und das Tier ist wirklich schwer zu erkennen.
Wir folgen dem Pfad für eine halbe Stunde, als es über uns raschelt: Eine Horde Brüllaffen überquert unseren Weg etwa dreißig Meter über unseren Köpfen. Tiefer im Wald treffen wir auf eine Familie von Picaris. Die Schweinen ähnlichen Tiere sind kaum scheu, man kann sie aus zehn Metern Entfernung fotografieren - und leider auch riechen.
In einer großen Lichtung gelangen wir zu einer großen Station der Parkwächter am Ende einer Gras-Landebahn. Alle Besucher müssen sich hier registrieren, einige haben hier auch ihre Zelte aufgeschlagen. Unsere Gruppe legt zum Trinken eine Pause ein, wir geben an die Kinder Kekse aus. Dann geht es wieder in den Wald. Hier laufen viele kleine Bäche zum Meer, der Boden ist matschig aber die Tiere entschädigen uns. Auf einen Eisvogel folgt eine Horde Kapuzineraffen, die über uns Früchte in dem Bäumen entdeckt haben. Sie essen ziemlich unsauber und lassen die Hälfte des Saftes fallen; jedenfalls hoffen wir dass es Saft ist, den sie auf uns herabregnen lassen.
Als wir einen Bach überqueren, stoßen wir wieder auf eine Horde, diesmal von Totenkopfaffen. Ein Jungtier stürzt herab und in den Bach, doch es scheint kaum verletzt. Jedenfalls jagt es gleich den nächsten Baumstamm hoch. Im Bach identifiziert unser Führer frischen Tapir-Dung, was ihn für eine Begegnung mit diesen Tieren optimistisch stimmt. Doch an ihrer üblichen Stelle am Rio Sirena, die wir später erreichen, sind sie nicht zu sehen.
An dessen Mündung gibt es eine kurze Verschnaufpause, die sich Luis und Carl mit Einsiedlerkrebse-Wettrennen vertreiben.
Wir wollen uns zur Wanderung entlang des Strandes und zurück zu unserem Ausgangspunkt machen, als der Führer einer anderen Gruppe den unserer zu sich winkt: Ganz still und nur in Gruppen zu zweit schleichen wir ein paar Schritte in den Bewuchs hinter dem Strand: dort liegt ein Tapir und schläft im Schatten der Büsche.
Am Ende der Wanderung gibt es kühle Getränke, Sandwiches und Ananas für alle; wir haben uns gerade mit unseren Tellern hingesetzt - auf den sandigen Boden oder verrottende Baumstümpfe, Bänke würden vermutlich die Biodiversität gefährden - als eine Horde Totenkopfaffen zehn Meter über uns den Baum erntet. Natürlich verlängert sich dadurch unsere Mahlzeit, besonders, als ein Jungtier sich einen Ast über uns für ein Nickerchen aussucht.
Nach unserer Rückkehr in der Bahia Drake machen wir uns erst ein wenig frisch, dann besuchen wir die Bar El Pirata für eine Batida. Die Kinder maulen, weil das WLAN hier so schlecht ist, Britta und ich jedoch genießen die Aussicht auf die Brandung vor uns und bleiben, bis die Sonne hinter den Felsen im Westen verschwindet.
Unser letztes Abendessen in der Bahia Drake gönnen wir uns bei Gringo Curt - eigentlich wollten wir schon seit zwei Tagen hier essen, es ist angeblich das beste Lokal im Ort. Entsprechend voll war es jedes mal, diesmal haben wir reserviert. Das Lokal ist sehr klein und es gibt genau drei Einträge in der "Speisenkarte". Die Kinder teilen sich einen Fisch, Britta bestellt sich einen ganzen und ich bekomme einen Fisch-Taco.nGringo Curt hat seinen guten Ruf verdient und müde vom Essen und dem Tag fallen wir in die Betten.
Freitag, 3. Januar 2014
14. Tag: Im Nationalpark Corcovado
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